Es gluckert, rauscht und plätschert im Heizkörper, und trotzdem wird das Zimmer nicht richtig warm? Dann steckt sehr wahrscheinlich Luft im System. Das Entlüften schaffst du ohne Fachkenntnisse, und pro Heizkörper dauert es meist nur wenige Minuten. Hier erfährst du, wie es Schritt für Schritt geht, in welcher Reihenfolge du vorgehst und worauf du danach achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Gluckernde Geräusche und ein Heizkörper, der oben kalt und unten warm ist, sind typische Zeichen für Luft im Heizsystem.
- Zum Entlüften brauchst du nur einen Entlüftungsschlüssel, ein Tuch und einen Becher, pro Heizkörper dauert es meist nur wenige Minuten.
- Als gängige Empfehlung gilt, im untersten Stockwerk nahe der Heizungsanlage zu beginnen und sich zu den höher gelegenen und weiter entfernten Heizkörpern vorzuarbeiten.
- Nach dem Entlüften prüfst du den Wasserdruck am Manometer, in vielen Einfamilienhäusern liegt er etwa zwischen 1 und 2 bar, maßgeblich ist aber die Anleitung deiner Anlage.
- In der Mietwohnung sagst du bei zu niedrigem Druck dem Vermieter oder Hausmeister Bescheid, statt selbst Wasser nachzufüllen.
Inhalt
- Woran du merkst, dass Luft im Heizkörper ist
- Warum Luft im Heizkörper Energie kostet
- Das brauchst du zum Entlüften
- Heizung entlüften: Schritt für Schritt
- In welcher Reihenfolge du die Heizkörper entlüftest
- Nach dem Entlüften: Wasserdruck prüfen
- Heizkörper bleibt trotzdem kalt? Diese Ursachen kommen infrage
- Deine Checkliste für den Start in die Heizsaison
Woran du merkst, dass Luft im Heizkörper ist
Luft ist leichter als Wasser und sammelt sich deshalb immer an der höchsten Stelle eines Heizkörpers. Dort verdrängt sie das warme Wasser, und genau das spürst und hörst du. Typische Anzeichen sind:
- Gluckern, Plätschern oder Rauschen, vor allem kurz nach dem Aufdrehen
- Der Heizkörper ist unten warm, oben aber deutlich kühler oder kalt
- Der Raum wird trotz voll aufgedrehtem Thermostat nur langsam warm
- Einzelne Heizkörper bleiben kühler als die übrigen im Haus
Wie kommt die Luft überhaupt hinein? Im Heizungswasser sind Gase gelöst, die beim Erwärmen nach und nach als feine Bläschen ausperlen. Außerdem gelangt oft Luft in die Leitungen, wenn an der Anlage gearbeitet oder Wasser nachgefüllt wurde. Bemerkbar macht sich das besonders häufig, wenn die Heizung nach der Sommerpause wieder anspringt. Jetzt im Oktober, wenn sie regelmäßig läuft, ist deshalb ein guter Zeitpunkt für einen Durchgang.
Warum Luft im Heizkörper Energie kostet
Ein Heizkörper, der zur Hälfte mit Luft gefüllt ist, gibt nur einen Teil seiner Wärme an den Raum ab. Das Zimmer braucht länger, bis es warm ist, und viele drehen dann das Thermostat noch weiter auf. Die Heizungsanlage arbeitet länger, ohne dass es spürbar wärmer wird.
Nach dem Entlüften kann das Wasser die gesamte Fläche des Heizkörpers wieder durchströmen. Er wärmt gleichmäßiger, und du erreichst deine Wohlfühltemperatur mit weniger Aufwand. Entlüften ist deshalb eine der einfachsten Maßnahmen, um in der Heizsaison keine Energie zu verschenken. Viele weitere Handgriffe, die kaum etwas kosten, findest du in unseren Tipps zum Heizkostensparen.
Das brauchst du zum Entlüften
Die Ausrüstung ist überschaubar, und das meiste hast du vermutlich schon zu Hause:
- Entlüftungsschlüssel: ein kleiner Vierkantschlüssel, den es im Baumarkt gibt. Manche Ventile lassen sich auch mit einem Schlitzschraubendreher öffnen.
- Becher oder kleines Gefäß: fängt das austretende Wasser auf.
- Tuch oder Lappen: schützt Wand und Boden und hält Spritzer ab.
- Optional Handschuhe: das Ventil und das austretende Wasser können heiß sein.
Das Entlüftungsventil sitzt oben an der Seite des Heizkörpers, meist gegenüber dem Thermostat. Bei Röhrenheizkörpern und Handtuchheizkörpern im Bad findest du es oft oben an einer der Ecken. Leg dir vor dem Start alles griffbereit hin, dann musst du nicht mit offenem Ventil nach dem Tuch suchen.

Heizung entlüften: Schritt für Schritt
- Heizung aufdrehen: Stell die Thermostate aller Heizkörper auf die höchste Stufe und warte, bis sie warm werden. Das warme Wasser zirkuliert und trägt die Luftblasen zu den höchsten Stellen.
- Pumpe ausschalten und warten: Hast du Zugang zur Heizungsanlage, etwa im Einfamilienhaus oder bei einer Gastherme in der Wohnung, schalte die Umwälzpumpe oder die Anlage aus. Oft wird empfohlen, danach rund eine Stunde zu warten. Dann kommt das Wasser zur Ruhe, und die Luft steigt nach oben. Bei einer Zentralheizung im Mehrfamilienhaus kommst du an die Pumpe meist nicht heran. Dann entlüftest du ohne diesen Schritt, was in der Regel ebenfalls klappt.
- Vorbereiten: Halte das Tuch unter das Ventil und den Becher direkt darunter.
- Ventil öffnen: Setz den Schlüssel auf und dreh ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn, etwa eine Viertel- bis eine halbe Umdrehung. Du hörst ein Zischen, das ist die entweichende Luft.
- Schließen, sobald Wasser kommt: Tritt nur noch Wasser ohne Blasen und Spritzer aus, drehst du das Ventil im Uhrzeigersinn wieder zu. Handfest reicht, zu viel Kraft schadet der Dichtung.
- Nächster Heizkörper: Wiederhole das Ganze an allen Heizkörpern, die Geräusche machen oder oben kalt bleiben.
- Anlage wieder einschalten: Schalte Pumpe oder Heizung wieder ein und stell die Thermostate auf deine gewohnte Stufe zurück.
Erschrick nicht, wenn das Wasser dunkel ist oder etwas muffig riecht. Heizungswasser zirkuliert oft jahrelang im System und färbt sich dabei grau bis schwarz. Auf Teppich, Holz oder Tapete kann es allerdings Flecken hinterlassen, deshalb ist das Tuch so wichtig.
Danach fehlt noch ein Blick auf den Wasserdruck, dazu gleich mehr.
In welcher Reihenfolge du die Heizkörper entlüftest
Die Reihenfolge ist kein Muss, sie kann dir aber einen zweiten Durchgang ersparen. Als gängige Empfehlung gilt: Fang im untersten Stockwerk an, und dort beim Heizkörper, der der Heizungsanlage am nächsten liegt. Von dort arbeitest du dich zu den weiter entfernten Heizkörpern und dann Etage für Etage nach oben vor.
Der Grund ist einfach. Luft steigt im System nach oben und wird mit dem Wasser weitergetragen. Entlüftest du zuerst oben, kann aus den unteren Etagen später noch Luft nachwandern. In einer Wohnung auf einer Ebene beginnst du am besten mit dem Heizkörper, der am nächsten an der Therme oder an der Stelle liegt, an der die Heizungsrohre in die Wohnung kommen.

Nach dem Entlüften: Wasserdruck prüfen
Beim Entlüften entweicht nicht nur Luft, sondern auch ein wenig Wasser. Dadurch sinkt der Druck im Heizsystem, bei mehreren Heizkörpern manchmal spürbar. Ist er zu niedrig, zirkuliert das Wasser schlechter, und die Heizkörper werden wieder nicht richtig warm.
Den Druck liest du am Manometer ab, einer runden Anzeige an der Heizungsanlage oder an der Therme. Als grobe Faustregel liegt der Betriebsdruck in vielen Einfamilienhäusern etwa zwischen 1 und 2 bar. Maßgeblich ist aber der Wert in der Anleitung deiner Anlage, denn er hängt unter anderem von der Gebäudehöhe ab. Viele Manometer haben einen grünen Bereich oder einen zweiten Zeiger, der den Sollwert markiert. Lies den Druck am besten vor und nach dem Entlüften ab, dann siehst du direkt, wie viel verloren gegangen ist. Beachte dabei, dass er bei warmer Anlage etwas höher liegt als bei kalter, weil sich das Wasser beim Erwärmen ausdehnt.
Ist der Druck zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden. Wie das bei deiner Anlage funktioniert, steht in der Bedienungsanleitung. Manche Anlagen brauchen dafür speziell aufbereitetes Wasser, und zu viel Druck ist ebenfalls schädlich. Bist du unsicher, übernimmt das ein Fachbetrieb. In der Mietwohnung ist ohnehin der Vermieter oder Hausmeister die richtige Adresse.
Heizkörper bleibt trotzdem kalt? Diese Ursachen kommen infrage
Nicht immer ist Luft das Problem. Diese Übersicht hilft dir, andere Ursachen einzugrenzen:
| Was du bemerkst | Mögliche Ursache | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Gluckern, oben kalt | Luft im Heizkörper | entlüften wie beschrieben |
| Heizkörper bleibt ganz kalt | Ventilstift unter dem Thermostat klemmt nach dem Sommer | Thermostatkopf abnehmen, Stift vorsichtig bewegen oder Fachbetrieb rufen |
| Oben warm, unten kühler | bei halb geöffnetem Thermostat oft normal | Thermostat höher stellen und beobachten |
| Manche Räume werden nie richtig warm | Anlage ist nicht gut eingestellt | nach einem hydraulischen Abgleich durch einen Fachbetrieb fragen |
| Druck fällt immer wieder ab | mögliche Undichtigkeit oder Defekt | Fachbetrieb beauftragen, in der Mietwohnung den Vermieter informieren |
Den Thermostatkopf abzunehmen, ist bei vielen Modellen einfach. Stell ihn vorher auf die höchste Stufe, dann löst du meist eine Überwurfmutter oder einen Klemmring von Hand. Darunter siehst du einen kleinen Metallstift. Lässt er sich nicht leicht hineindrücken oder springt nicht von selbst zurück, klemmt er. Oft hilft es, ihn behutsam ein paarmal zu bewegen. Geht er gar nicht, überlass das einem Fachbetrieb.
Deine Checkliste für den Start in die Heizsaison
Einmal im Herbst gründlich entlüften, danach den Druck prüfen, und deine Heizung arbeitet wieder so, wie sie soll. Damit die Wärme auch im Raum bleibt, lohnt sich gleich noch ein Blick auf das Drumherum:
- Alle Heizkörper auf Geräusche und kalte Stellen prüfen
- Entlüften, von unten nach oben und von nah nach fern
- Wasserdruck vor und nach dem Entlüften ablesen
- Heizkörper freihalten, also keine Möbel oder langen Vorhänge davor
- Stoßlüften statt Fenster auf Kipp, so wie im Beitrag über richtiges Lüften im Herbst beschrieben
- Zugige Fenster und Türen abdichten, eine Anleitung findest du in unserem Beitrag zu Zugluft am Fenster
Der Aufwand ist gering, und der Lohn sind gleichmäßig warme Heizkörper, Ruhe statt Gluckern und die Gewissheit, dass deine Heizenergie wirklich im Raum ankommt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich die Heizung entlüften?
Ein fester Rhythmus ist nicht nötig. Sinnvoll ist ein Durchgang zu Beginn der Heizsaison und immer dann, wenn ein Heizkörper gluckert oder oben kalt bleibt. Musst du sehr häufig entlüften oder Wasser nachfüllen, solltest du die Anlage von einem Fachbetrieb prüfen lassen.
Kann ich eine Fußbodenheizung selbst entlüften?
Das ist deutlich aufwendiger als bei Heizkörpern. Eine Fußbodenheizung wird meist am Heizkreisverteiler entlüftet und oft zusätzlich gespült, dafür braucht es Erfahrung und passendes Werkzeug. Überlass das besser einem Fachbetrieb oder in der Mietwohnung dem Vermieter.
Warum gluckert die Heizung nach dem Entlüften immer noch?
Oft wandert restliche Luft erst nach einiger Zeit zum Heizkörper. Warte einen Tag und entlüfte dann noch einmal. Hören die Geräusche trotzdem nicht auf, kann zu niedriger Druck in der Anlage die Ursache sein, dann ist ein Blick auf das Manometer oder ein Anruf beim Fachbetrieb der nächste Schritt.
Was tun, wenn das Entlüftungsventil nach dem Schließen tropft?
Zieh das Ventil vorsichtig mit dem Schlüssel etwas nach, aber ohne Gewalt, sonst kann die Dichtung Schaden nehmen. Tropft es weiter, stell einen Becher darunter und informiere den Vermieter oder einen Fachbetrieb. Für einen Fachbetrieb ist der Tausch eines undichten Entlüftungsventils in der Regel kein großer Aufwand.





