Die Nächte werden frisch, und in diesen Tagen drehst du vermutlich zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder am Thermostat. Genau jetzt lohnt sich ein kurzer Blick auf deine Heizgewohnheiten, denn oft entweicht Wärme an Stellen, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Diese 11 Tipps wirken ab dem ersten Heiztag, und die meisten kosten dich nur ein paar Handgriffe.
Das Wichtigste in Kürze
- Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart als Faustregel rund 6 Prozent Heizenergie.
- Stufe 3 am Thermostat entspricht etwa 20 Grad, und Stufe 5 heizt einen kalten Raum nicht schneller auf.
- Stoßlüften bei abgedrehtem Thermostat hält die Wände warm, ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt sie dagegen stundenlang aus.
- Freie und entlüftete Heizkörper geben ihre Wärme ungehindert ab, deshalb musst du das Thermostat nicht höher drehen.
- Geschlossene Rollläden, abgedichtete Fugen und geschlossene Türen halten die Wärme dort, wo du sie brauchst.
Inhalt
Temperatur und Thermostat: die schnellsten Stellschrauben
1. Ein Grad weniger bringt rund 6 Prozent
Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 Prozent Heizenergie. Der Grund ist einfach. Wärme wandert immer vom Warmen ins Kalte, also durch Wände, Fenster und Dach nach draußen. Je kleiner der Unterschied zwischen drinnen und draußen, desto langsamer geht die Wärme verloren und desto weniger muss die Heizung nachliefern.
Frieren musst du dafür nicht. Senke die Temperatur schrittweise, etwa um ein halbes Grad pro Woche. So gewöhnt sich dein Körper an das neue Niveau, und du merkst den Unterschied kaum. Warme Socken, ein Wollpullover und eine Decke auf dem Sofa erledigen den Rest. Wie Textilien, Licht und kleine Rituale ein wohlig warmes Gefühl erzeugen, zeigen unsere Hygge-Ideen für ein warmes Zuhause.
2. Stufe 3 heißt etwa 20 Grad
Die Zahlen auf dem Thermostatkopf sind keine Leistungsstufen. Sie stehen für eine Zieltemperatur, bei der das Ventil schließt. Bei den meisten Modellen gilt ungefähr:
- Schneeflocke oder Stern: Frostschutz, je nach Modell etwa 5 bis 8 Grad
- Stufe 1: etwa 12 Grad
- Stufe 2: etwa 16 Grad
- Stufe 3: etwa 20 Grad
- Stufe 4: etwa 24 Grad
- Stufe 5: etwa 28 Grad
Die Striche oder Punkte zwischen den Zahlen entsprechen meist jeweils rund einem Grad. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Stufe 5 einen kalten Raum schneller aufheizt. Solange es im Zimmer deutlich kühler ist als eingestellt, steht das Ventil ohnehin weit offen, auf Stufe 3 genauso wie auf Stufe 5. Der Unterschied zeigt sich erst später: Auf Stufe 5 heizt der Heizkörper weiter, bis es rund 28 Grad warm ist, und diese Wärme bezahlst du mit.
3. Jeder Raum bekommt seine eigene Temperatur
Nicht jedes Zimmer muss gleich warm sein. Wo du lange still sitzt, brauchst du mehr Wärme als dort, wo du schläfst oder nur durchgehst. Diese Richtwerte haben sich bewährt:
| Raum | Richtwert | Thermostat etwa |
|---|---|---|
| Wohnzimmer | 20 °C | Stufe 3 |
| Homeoffice | 20 °C | Stufe 3 |
| Kinderzimmer | 20 °C | Stufe 3 |
| Küche | 18 °C | Stufe 2,5 |
| Schlafzimmer | 16 bis 18 °C | Stufe 2 bis 2,5 |
| Bad während der Nutzung | 22 °C | Stufe 3,5 |
| Flur | 15 bis 16 °C | knapp unter Stufe 2 |
Achte dabei auf die Untergrenze. Kühlen Wohnräume dauerhaft unter etwa 16 Grad aus, schlägt sich an den kalten Wandflächen leichter Feuchtigkeit nieder, und das Schimmelrisiko steigt. Außerdem kostet es viel Energie, ausgekühlte Wände wieder aufzuwärmen. Selten genutzte Zimmer drehst du deshalb herunter, aber nicht ganz ab.

Clever absenken statt durchheizen
4. Nachts und unterwegs absenken, am liebsten automatisch
Wenn du schläfst oder tagsüber außer Haus bist, brauchst du keine 20 Grad in der Wohnung. Senkst du die Temperatur in diesen Stunden um einige Grad, sparst du Energie, ohne dass die Räume auskühlen. Tiefer als etwa 16 Grad sollte es aber nicht gehen, damit die Wände warm bleiben und das Aufheizen am Morgen nicht ewig dauert.
Bequem wird das mit programmierbaren Thermostaten. Du legst einmal fest, wann welche Temperatur gelten soll, zum Beispiel 20 Grad ab 6.30 Uhr und 17 Grad ab 22 Uhr. Plane den Start etwa eine halbe Stunde vor dem Aufstehen ein, dann ist es warm, wenn du ins Bad gehst. Elektronische Thermostatköpfe lassen sich oft mit wenigen Handgriffen tauschen, manchmal brauchst du dafür einen passenden Adapter für das Ventil. In der Mietwohnung bewahrst du die Originale auf und schraubst sie beim Auszug wieder an. Frag im Zweifel vorher bei der Hausverwaltung nach.
Bei Fußbodenheizung und vielen Wärmepumpen gilt eine Ausnahme. Diese Systeme reagieren träge, eine gleichmäßige, moderate Temperatur ist dort oft sinnvoller als ein ständiges Auf und Ab.
Richtig lüften, ohne Wärme zu verschenken
5. Stoßlüften statt Kippfenster
Ein dauerhaft gekipptes Fenster gehört zu den größten Wärmefressern der Heizsaison. Es tauscht die Luft nur langsam aus, kühlt aber stundenlang die Wand rund um den Fensterrahmen aus. Genau dort schlägt sich dann Feuchtigkeit nieder, und Schimmel hat leichtes Spiel.
Besser ist Stoßlüften: Öffne die Fenster mehrmals am Tag weit, an milden Herbsttagen für etwa 10 bis 15 Minuten, bei Frost reichen oft schon rund 5 Minuten. Noch schneller geht es, wenn du gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnest. Die feuchte Luft ist dann in kurzer Zeit draußen, während Wände und Möbel ihre Wärme behalten und die frische Luft schnell wieder aufwärmen.
Dreh das Thermostat während des Lüftens herunter. Sonst spürt der Thermostatkopf die kalte Luft, öffnet das Ventil, und die Heizung heizt direkt zum Fenster hinaus. Wie oft und zu welchen Zeiten sich Lüften besonders lohnt, erklärt unser Ratgeber zum Lüften im Herbst ohne Schimmel.
Heizkörper in Topform bringen
6. Heizkörper freiräumen
Ein Heizkörper gibt seine Wärme zu einem großen Teil an die Luft ab, die an ihm aufsteigt und durch den Raum zieht. Steht ein Sofa davor, hängt ein langer Vorhang darüber oder steckt er hinter einer Verkleidung, staut sich die Wärme. Der Thermostatkopf misst dann diese gestaute Luft, hält den Raum für warm genug und schließt das Ventil, obwohl es im Zimmer noch kühl ist.
So bekommt dein Heizkörper wieder Luft:
- Rück Sofa und Sessel ein Stück ab, damit die warme Luft ungehindert aufsteigen kann.
- Wähle Vorhänge, die an der Fensterbank enden, oder zieh lange Vorhänge tagsüber zur Seite.
- Häng keine Wäsche direkt über den Heizkörper, denn sie bremst die Wärmeabgabe und bringt zusätzlich Feuchtigkeit in den Raum.
- Entferne Staub zwischen den Lamellen mit einer schmalen Heizkörperbürste, am besten, wenn die Heizung kalt ist.
7. Heizkörper entlüften, wenn er gluckert
Gluckert es im Heizkörper, oder bleibt er oben kalt, während er unten warm wird, steckt meist Luft darin. Die Luft verdrängt das Heizwasser, der Heizkörper gibt weniger Wärme ab, und du drehst unwillkürlich höher. Zum Entlüften brauchst du einen Entlüftungsschlüssel, einen Becher und ein Tuch. Dreh das Thermostat zuerst ganz auf. Dann hältst du Becher und Tuch unter das kleine Ventil oben seitlich am Heizkörper und öffnest es langsam gegen den Uhrzeigersinn. Sobald keine Luft mehr zischt und gleichmäßig Wasser kommt, schließt du es wieder und stellst das Thermostat auf deine gewohnte Stufe zurück.
Im eigenen Haus kontrollierst du danach den Wasserdruck der Anlage. Im Mehrfamilienhaus gibst du der Hausverwaltung Bescheid, wenn mehrere Heizkörper betroffen sind. Alle Schritte im Detail findest du in der Anleitung Heizung entlüften in 5 Minuten.
8. Reflexionsfolie hinter Heizkörper an Außenwänden
Hängt dein Heizkörper an einer Außenwand, vor allem in einer Nische unter dem Fenster, strahlt ein Teil seiner Wärme direkt in die Mauer. In älteren, kaum gedämmten Häusern ist die Wand an dieser Stelle oft dünner als anderswo. Eine Dämm- oder Reflexionsfolie hinter dem Heizkörper wirft einen Teil der Wärmestrahlung zurück in den Raum.
Schneide die Folie etwas kleiner zu als den Heizkörper und kleb sie mit der glänzenden Seite zum Raum an die Wand. Sie sollte den Heizkörper nicht berühren. In gut gedämmten Neubauten bringt die Folie kaum etwas, in unsanierten Altbauten kann sie sich dagegen lohnen. In der Mietwohnung nimmst du ein Klebeband, das sich später wieder rückstandsfrei lösen lässt.

Die Wärme im Raum halten
9. Abends Rollläden und Vorhänge schließen
Fenster sind die Schwachstelle jeder Hauswand, selbst eine gute Verglasung lässt mehr Wärme durch als eine gedämmte Mauer. Schließt du bei Einbruch der Dunkelheit die Rollläden, entsteht zwischen Laden und Scheibe ein Luftpolster, das wie eine zusätzliche Dämmschicht wirkt. Dicke Vorhänge verstärken den Effekt, solange sie den Heizkörper nicht verdecken.
Tagsüber gilt das Gegenteil. Zieh die Vorhänge auf und lass die Sonne herein. Durch Fenster nach Süden wärmt sie an klaren Herbsttagen spürbar mit, und das kostenlos.
10. Zugluft aufspüren und abdichten
Spürst du am Fenster oder an der Wohnungstür einen kalten Hauch, entweicht dort ununterbrochen Wärme. Oft hilft es schon, selbstklebende Dichtungsbänder anzubringen oder die Fensterbeschläge nachstellen zu lassen. Für den Spalt unter Türen zu Treppenhaus, Keller oder Dachboden eignet sich ein Zugluftstopper, zur Not tut es auch eine zusammengerollte Decke. Welche Dichtung zu welcher Fuge passt, zeigt unser Beitrag, wie du Fenster und Türen günstig selbst abdichtest.
In der Mietwohnung meldest du undichte Fenster oder kaputte Dichtungen am besten dem Vermieter, denn Reparaturen an der Mietsache sind in der Regel seine Aufgabe. Was im Einzelfall gilt, hängt auch von deinem Mietvertrag ab.
11. Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten
Bleibt die Tür zwischen dem warmen Wohnzimmer und dem kühlen Schlafzimmer offen, strömt Wärme dorthin, wo du sie gerade nicht brauchst, und das Wohnzimmer muss ständig nachheizen. Dazu kommt ein zweites Problem: Warme Luft trägt mehr Feuchtigkeit. Trifft sie im kühleren Raum auf kalte Wände, kann sich Kondenswasser bilden, ein idealer Nährboden für Schimmel.
Halte deshalb die Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen geschlossen und heize jeden Raum mit seinem eigenen Heizkörper. Auch die Badezimmertür bleibt nach dem Duschen zu, bis du die feuchte Luft durchs Fenster nach draußen gelüftet hast.
Dein Heiz-Check für diese Woche
Du musst nicht alles an einem Tag erledigen. Fang mit dem an, was nichts kostet und sofort wirkt:
- Thermostat im Wohnzimmer auf Stufe 3 stellen und mit einem Thermometer nachprüfen
- Schlafzimmer, Küche und Flur etwas kühler einstellen, aber nicht unter etwa 16 Grad
- Kippfenster schließen und stattdessen mehrmals täglich stoßlüften
- Heizkörper freiräumen und gluckernde Heizkörper entlüften
- Abends Rollläden und Vorhänge schließen, morgens wieder öffnen
- Undichte Stellen mit dem Papiertest aufspüren
Danach sind die kleinen Anschaffungen dran: Dichtungsband, ein Zugluftstopper, vielleicht ein programmierbares Thermostat für das Zimmer, in dem du dich am meisten aufhältst. Jeder Schritt wirkt für sich klein, zusammen können sie sich auf deiner nächsten Heizkostenabrechnung bemerkbar machen. Und ganz nebenbei wird dein Zuhause behaglicher, weil die Wärme dort bleibt, wo du sie haben willst.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in beheizten Räumen ideal?
Als Richtwert gelten in Wohnräumen etwa 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit. Liegt der Wert dauerhaft darüber, steigt das Risiko für Schimmel, und du solltest häufiger stoßlüften. Ist die Luft deutlich trockener, reagieren Augen und Schleimhäute oft empfindlich. Ein einfaches Hygrometer zeigt dir, wo du gerade stehst.
Darf ich als Mieter die Heizung ganz ausgeschaltet lassen?
Wie warm du es haben möchtest, entscheidest du grundsätzlich selbst. Als Mieter musst du aber so heizen und lüften, dass die Wohnung keinen Schaden nimmt, etwa durch Schimmel oder eingefrorene Leitungen. Eine allgemein gültige Mindesttemperatur gibt es nicht, was angemessen ist, hängt vom Einzelfall und von deinem Mietvertrag ab.
Lohnt sich ein Heizlüfter, um Heizkosten zu sparen?
In aller Regel nicht. Strom kostet pro Kilowattstunde meist deutlich mehr als Gas oder Fernwärme, deshalb wird Heizen mit einem Heizlüfter auf Dauer teuer. Wenn du ihn kurz nutzt, etwa im Bad, stell ihn standsicher auf, halte Abstand zu Vorhängen und Textilien, steck ihn direkt in die Wandsteckdose und lass ihn nie unbeaufsichtigt laufen.
Wann sollte ich die Heizung im Herbst einschalten?
Einen festen Stichtag gibt es nicht. Ein guter Anhaltspunkt: Kommen deine Wohnräume tagsüber nicht mehr über etwa 18 Grad, ist es Zeit. Warte nicht zu lange, denn ausgekühlte Wände brauchen viel Energie, bis sie wieder warm sind, und an kalten Flächen schlägt sich leichter Feuchtigkeit nieder.





