Die ersten Blätter segeln schon, und in ein paar Wochen liegt der Rasen voller Laub. Bevor du alles in Säcke stopfst und zur Sammelstelle fährst, lohnt sich ein zweiter Blick: Herbstlaub ist einer der wertvollsten Rohstoffe, die dein Garten kostenlos bekommt. Mit diesen 7 Ideen wird aus dem lästigen Haufen Bodenschutz, Humus und ein Winterquartier für Tiere.
Das Wichtigste in Kürze
- Unter Sträuchern und auf abgeernteten Beeten schützt eine lockere Laubschicht von etwa 5 bis 10 Zentimetern den Boden und füttert das Bodenleben.
- Gemischt mit Rasenschnitt verrottet Laub auf dem Kompost deutlich schneller, weil sich kohlenstoffreiches und stickstoffreiches Material ergänzen.
- Eichen-, Walnuss- und Kastanienlaub ist reich an Gerbstoffen und zersetzt sich langsam, deshalb zerkleinerst du es am besten oder mischst es mit anderem Material.
- Vom Rasen, aus dem Teich und von Wegen solltest du Laub regelmäßig entfernen, den Gehweg müssen je nach Gemeinde oft die Anlieger freihalten.
- Ein Laubrechen ist leiser und schonender für Insekten und Kleintiere als Laubbläser oder Laubsauger.
Inhalt
- Warum Laub viel zu schade für die Tonne ist
- Mulch und Winterdecke: So schützt Laub den Boden
- Aus Laub wird Humus: Kompost und Lauberde
- Welches Laub schnell verrottet und welches Geduld braucht
- Laub als Winterquartier und Frostschutz
- Wo Laub nicht liegen bleiben sollte
- Rechen statt Laubbläser: sammeln mit Rücksicht
- Dein Laubplan für die nächsten Wochen
Warum Laub viel zu schade für die Tonne ist
Im Wald räumt niemand das Laub weg, und trotzdem ist der Boden dort locker, dunkel und voller Leben. Die Blätter bilden eine schützende Decke, unter der Regenwürmer, Asseln, Pilze und unzählige Mikroorganismen arbeiten. Sie zerkleinern das Laub nach und nach und verwandeln es in Humus. So kehren Nährstoffe, die der Baum im Sommer aus dem Boden geholt hat, wieder dorthin zurück.
Diesen Kreislauf kannst du im Garten nachahmen. Eine Laubschicht hält den Boden feucht, dämpft Temperaturschwankungen und verhindert, dass starker Regen die Oberfläche verschlämmt. Dazu kommt ein ganz praktischer Vorteil: Was du im Garten verwertest, musst du nicht wegschleppen.
Mulch und Winterdecke: So schützt Laub den Boden
1. Mulch unter Sträuchern und Hecken
Unter Sträuchern und Hecken ist Laub bestens aufgehoben, denn hier würde es in der Natur ohnehin liegen. Reche es also einfach unter die Gehölze, statt es abzutransportieren. Eine lockere Schicht von etwa 5 bis 10 Zentimetern genügt. Sie schützt den Wurzelbereich im Winter vor starkem Frost und hält im Frühjahr die Feuchtigkeit im Boden. Bis zum nächsten Sommer haben die Bodenlebewesen einen großen Teil davon verarbeitet.
Lass rund um Stämme und dicke Triebe eine Handbreit frei, damit die Rinde abtrocknen kann und nicht fault. Trockenes Laub weht auf freien Flächen gern davon. Ein paar Zweige oder etwas Reisig obenauf halten es an Ort und Stelle, und zerkleinertes Laub bleibt ohnehin besser liegen.
2. Winterdecke für abgeerntete Beete
Nackte Erde ist im Winter Wind, Regen und Frost schutzlos ausgesetzt. Bedeckst du Gemüse- und Staudenbeete nach dem Abräumen mit Laub, bleibt die oberste Bodenschicht locker, und Regenwürmer ziehen die Blätter nach und nach in die Erde. Das ist Bodenverbesserung ganz ohne Umgraben.
Im Frühjahr rechst du die Reste rechtzeitig vor der Aussaat ab oder arbeitest sie flach ein, damit sich der Boden in der Sonne erwärmen kann. Bedenke, dass sich in einer dicken, feuchten Laubschicht auch Schnecken gern verstecken. Auf Gemüsebeeten, die im Frühjahr zuerst bestellt werden, genügt deshalb eine dünnere Lage. Was im Beet sonst noch ansteht, findest du in unserer Liste mit den wichtigsten Gartenarbeiten im Oktober.
Aus Laub wird Humus: Kompost und Lauberde
3. Lauberde im Drahtkorb oder Sack
Lauberde ist unter Gärtnern begehrt: dunkel, krümelig und reich an Humus, dabei eher nährstoffarm. Sie lockert schwere Böden, hilft leichten Böden, Wasser zu speichern, und eignet sich gesiebt als Zusatz für Anzuchterde. Und sie entsteht fast von allein.
- Forme aus Maschendraht einen runden Behälter mit etwa einem Meter Durchmesser und stell ihn an einen schattigen Platz.
- Fülle das Laub ein und tritt es zwischendurch leicht fest.
- Gieße trockenes Laub an, denn Pilze und Bakterien brauchen Feuchtigkeit.
- Warte ab. Nach etwa einem Jahr ist grobe Lauberde entstanden, die du als Mulch verwenden kannst. Fein und krümelig wird sie meist im zweiten Jahr.
Im kleinen Garten klappt das auch im Sack. Fülle feuchtes Laub in einen stabilen Kunststoffsack, stich ein paar Luftlöcher hinein und stell ihn in eine schattige Ecke.

4. Auf den Kompost, gemischt mit Rasenschnitt
Reines Laub verklebt auf dem Kompost leicht zu einer nassen Matte, die kaum verrottet. Der Grund liegt in der Zusammensetzung. Laub enthält viel Kohlenstoff, aber wenig Stickstoff, den die Mikroorganismen zum Zersetzen brauchen. Bei Rasenschnitt ist es umgekehrt, und beim letzten Mähen im Herbst fällt er ohnehin an.
Mischst du beides, ergänzen sie sich. Als grobe Orientierung gelten etwa zwei bis drei Teile Laub auf einen Teil Rasenschnitt. Auch Gemüsereste aus der Küche liefern Stickstoff. Schichte das Material nicht in dicken Lagen, sondern mische es locker durch, damit überall Luft hinkommt.
5. Füllung fürs Hochbeet
Hochbeete sacken jedes Jahr ein Stück zusammen, weil die Füllung im Inneren verrottet. Der Herbst ist ideal, um nachzulegen. In einem neuen Hochbeet kommt Laub als eigene Schicht über den groben Unterbau aus Ästen und Zweigen, darüber folgen grober Kompost und zuletzt rund 20 bis 30 Zentimeter gute Erde. In ein bestehendes Hochbeet legst du nach der Ernte eine Lage Laub und deckst sie im Frühjahr mit Kompost und frischer Erde ab.
Das Laub zersetzt sich langsam, gibt dabei Nährstoffe ab und hält die Füllung locker. Oben muss nur genug feine Erde liegen, damit Samen und Jungpflanzen gut anwachsen.
Welches Laub schnell verrottet und welches Geduld braucht
Laub ist nicht gleich Laub. Dünne, weiche Blätter zersetzen sich schnell, ledrige und gerbstoffreiche dagegen brauchen deutlich länger.
| Laub von | Verrottung | So nutzt du es |
|---|---|---|
| Obstbäumen, Linde, Birke, Hainbuche | schnell, oft innerhalb eines Jahres | Mulch auf Beeten, Kompost |
| Ahorn | mittel | Mulch und Kompost, am besten zerkleinert |
| Buche, Platane | langsam | zerkleinert kompostieren oder unter Sträucher geben |
| Eiche, Walnuss, Kastanie | sehr langsam, reich an Gerbstoffen | zerkleinern, mischen oder als eigene Lauberde |
Gerbstoffreiches Laub musst du trotzdem nicht wegwerfen. Zerkleinert mit Rasenmäher oder Häcksler und gemischt mit anderem Material verrottet es deutlich schneller. Eichenlaub eignet sich außerdem für einen eigenen Lauberde-Korb, denn das leicht saure Ergebnis mögen Pflanzen wie Rhododendron, Heidelbeeren oder Hortensien.
Walnusslaub enthält zusätzlich Juglon, einen Stoff, der das Keimen und Wachsen mancher Pflanzen hemmen kann. Gib es deshalb nicht unverrottet auf Gemüsebeete, sondern in kleinen Mengen auf den Kompost oder unter robuste Gehölze.
Zwei Ausnahmen gibt es. Laub von Rosskastanien mit braunen, vertrockneten Flecken ist oft von der Miniermotte befallen, deren Puppen im Laub überwintern. Und Blätter kranker Pflanzen, etwa von Rosen mit Sternrußtau oder Apfelbäumen mit Schorf, tragen Pilzsporen. Beides gehört nicht auf den eigenen Kompost, sondern in die Biotonne oder zur Grüngutsammlung.
Laub als Winterquartier und Frostschutz
6. Ein Laubhaufen für Igel und Insekten
Igel suchen sich meist im Laufe des Novembers, manche schon im Oktober, ein geschütztes Versteck für den Winterschlaf. Ein Haufen aus Reisig und Laub in einer ruhigen Ecke ist dafür ideal: Unten sorgen kreuz und quer gelegte Äste für einen Hohlraum, darüber kommt reichlich trockenes Laub. Aber nicht nur Igel profitieren. In der Laubschicht überwintern auch viele Käfer, Spinnen und andere Insekten, die im Frühjahr wiederum Futter für Vögel sind. Lass deshalb ruhig auch unter Hecken und in Beetecken etwas Laub liegen.

7. Frostschutz für empfindliche Pflanzen
Laub dämmt gut, weil zwischen den Blättern viel Luft eingeschlossen ist. Häufle es über den Wurzelbereich frisch gepflanzter oder etwas empfindlicherer Stauden und halte es mit Reisig fest. Bei Rosen häufelst du zuerst die Basis mit Erde oder Kompost an, damit die Veredelungsstelle geschützt ist, und legst dann Laub und Reisig darüber.
Warte mit dem Winterschutz, bis die ersten stärkeren Fröste angekündigt sind, meist ab November. Bringst du ihn zu früh auf, bleibt es darunter lange feucht und mild, und das begünstigt Fäulnis. Wintergrüne Pflanzen deckst du nicht komplett zu, denn sie brauchen auch im Winter Licht.
Kübelpflanzen, die draußen überwintern dürfen, stellst du in eine Kiste oder einen großen Korb und füllst die Zwischenräume mit trockenem Laub. So friert der Wurzelballen nicht so schnell durch. Welche Pflanzen ins Haus müssen und welche draußen bleiben können, erfährst du im Beitrag über das Überwintern von Kübelpflanzen.
Wo Laub nicht liegen bleiben sollte
So nützlich Laub ist, an manchen Stellen richtet es Schaden an:
- Rasen: Eine dichte Laubdecke nimmt den Gräsern Licht und hält Feuchtigkeit fest. Darunter vergilbt der Rasen, und Pilzkrankheiten haben leichtes Spiel. Reche das Laub deshalb regelmäßig ab, in der Hauptzeit etwa einmal pro Woche. Wie dein Rasen gesund durch den Winter kommt, liest du in unserem Ratgeber.
- Teich: Blätter sinken auf den Grund und zersetzen sich dort. Dabei verbrauchen sie Sauerstoff und setzen Nährstoffe frei, die im Frühjahr Algen wachsen lassen. Ein straff gespanntes Laubschutznetz, das du anbringst, bevor die meisten Blätter fallen, erspart dir viel Arbeit.
- Wege, Treppen und Terrasse: Nasses Laub ist rutschig wie Schmierseife. Halte vor allem die Wege frei, die du auch im Dunkeln nutzt.
Rechen statt Laubbläser: sammeln mit Rücksicht
Laubbläser und Laubsauger sind laut, wirbeln Staub auf und erfassen auch Insekten, Spinnen und andere Kleintiere, die in der Laubschicht leben. Sauger mit Häckselfunktion zerkleinern sie gleich mit. Rechen und Fächerbesen sind deshalb die schonendere Wahl, und sie arbeiten leise und ganz ohne Strom.
Mit ein paar Handgriffen geht es leichter:
- Reche bei trockenem Wetter, dann ist das Laub leicht und klebt nicht am Boden.
- Arbeite mit dem Wind statt gegen ihn.
- Sammle das Laub auf einer alten Plane und zieh sie hinter dir her zum Ziel, das spart viele Fahrten mit der Schubkarre.
- Nimm große Mengen mit zwei Brettern oder Laubgreifern auf, statt dich ständig tief zu bücken.
- Wechsle ab und zu die Seite, damit Rücken und Schultern nicht einseitig belastet werden.
Dein Laubplan für die nächsten Wochen
Du musst nicht alle sieben Ideen gleichzeitig umsetzen. Schon wenn das Laub nicht mehr in der Tonne landet, sondern unter Sträuchern und im Kompost, hat dein Garten viel gewonnen. Hier die wichtigsten Schritte im Überblick:
- Laub regelmäßig vom Rasen, aus dem Teich und von den Wegen rechen
- Unter Sträucher und auf abgeerntete Beete verteilen
- Überschuss mit Rasenschnitt kompostieren oder in einem Drahtkorb zu Lauberde werden lassen
- Einen Haufen aus Reisig und Laub als Igelquartier anlegen
- Befallenes Rosskastanienlaub und kranke Blätter in die Biotonne geben
Spätestens wenn du im nächsten Herbst die erste Lauberde aus dem Korb holst, fühlt sich das Rechen ganz anders an. Und die schönsten bunten Blätter, die für den Kompost fast zu schade sind, holst du dir als natürliche Herbstdeko ins Haus.
Häufige Fragen
Darf ich überschüssiges Laub im Wald oder auf einer Wiese abladen?
In der Regel nicht. Gartenabfälle in der freien Landschaft zu entsorgen, ist fast überall verboten und kann ein Bußgeld nach sich ziehen, auch wenn es sich nur um Laub handelt. Was du im Garten nicht nutzen kannst, gehört in die Biotonne oder zur Grüngutsammelstelle deiner Gemeinde.
Muss ich das Laub vom Baum meines Nachbarn wegräumen?
Auf deinem eigenen Grundstück in der Regel ja. Laub von Nachbarbäumen gilt vor allem in grünen Wohngebieten häufig als ortsüblich und muss dann hingenommen werden. Ein finanzieller Ausgleich kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht, und ob er dir zusteht, hängt stark vom Einzelfall ab. Ein freundliches Gespräch über den Gartenzaun löst solche Fragen oft besser als ein Streit.
Locken Laubhaufen Ratten oder Mäuse an?
Mäuse nutzen Laubhaufen gelegentlich als Unterschlupf, das lässt sich im Garten kaum ganz vermeiden. Ratten lockt vor allem Futter an, also Essensreste, gekochte Speisen oder Fleisch auf dem Kompost. Wenn du solche Reste in die Biotonne gibst, ist ein Laubhaufen in der Regel unproblematisch.
Kann ich Laub vom Gehweg oder von der Straße im Garten verwenden?
Unter Ziersträuchern oder im Igelhaufen ist das meist unproblematisch. Laub von stark befahrenen Straßen kann aber Schmutz, Reifenabrieb und Abfälle enthalten. Für Gemüsebeete nimmst du deshalb besser das Laub aus dem eigenen Garten.





