DIY & Renovieren

Alte Kommode, neuer Look: Möbel mit Kreidefarbe streichen, fast ohne Schleifen

Paar streicht in einem hellen Zimmer eine alte Holzkommode mit salbeigrüner Kreidefarbe, die Schubladen liegen daneben
Zwei Pinsel und etwas Geduld: Mit Kreidefarbe bekommt eine alte Kommode einen ganz neuen Charakter. Symbolbild: KI-generiert

Die Kommode vom Flohmarkt, der Nachttisch von Oma oder das dunkle Sideboard aus der ersten Wohnung: Mit Kreidefarbe wird aus einem Möbel, das du kaum noch ansiehst, ein Lieblingsstück. Du musst dafür weder abbeizen noch stundenlang schleifen. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie es gelingt, wo die Stolperfallen liegen und wie die Oberfläche lange schön bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kreidefarbe haftet auf vielen sauberen Untergründen gut, deshalb reicht meist gründliches Reinigen und ein leichtes Anschleifen glänzender Flächen.
  • Ein kleiner Probeanstrich zeigt, ob Inhaltsstoffe aus altem Holz durchschlagen, und ein Sperrgrund auf Schellackbasis verhindert dann gelbe oder rötliche Flecken.
  • Zwei dünne Schichten decken gleichmäßiger und halten besser als eine dicke.
  • Wachs gibt einen seidigen Schimmer, matter Klarlack schützt stark beanspruchte Flächen wie Kommodendeckel und Tischplatten deutlich besser.
  • Alte Anstriche können Blei enthalten, deshalb schleifst du sie nie trocken und ungeschützt und lässt sie im Zweifel vorher testen.
Inhalt
  1. Was Kreidefarbe ist und warum sie so beliebt ist
  2. Was du brauchst und wo du am besten streichst
  3. So bereitest du das Möbel richtig vor
  4. Der Probeanstrich, der dir Ärger erspart
  5. Zwei dünne Schichten statt einer dicken
  6. Für den Used-Look Kanten gezielt anschleifen
  7. Wachs oder Klarlack: So schützt du die Oberfläche
  8. Trockenzeiten und neue Griffe
  9. Deine Checkliste fürs erste Kreidefarbe-Projekt

Was Kreidefarbe ist und warum sie so beliebt ist

Kreidefarbe ist eine wasserbasierte Farbe mit einem hohen Anteil an mineralischen Füllstoffen. Sie trocknet samtig matt und deckt meist sehr gut. Mit Tafelfarbe, auf die man mit Kreide schreiben kann, hat sie nichts zu tun.

Beliebt ist sie vor allem aus drei Gründen:

  • Wenig Vorarbeit: Kreidefarbe haftet auf vielen sauberen Untergründen gut, auf Holz, Furnier und altem Lack. Ein komplettes Abschleifen ist meist nicht nötig.
  • Verzeihende Optik: Die matte Oberfläche lässt kleine Unebenheiten und Pinselspuren weniger auffallen als glänzender Lack.
  • Einfacher Used-Look: Weil die Farbe weich ist, lassen sich Kanten später leicht anschleifen, sodass das Möbel gewachsen wirkt.

Einen Haken gibt es allerdings. Ohne Schutzschicht bleibt die Oberfläche offenporig und nimmt Flecken und Wasser leicht auf. Versiegeln gehört deshalb immer dazu. Und wenn du die Maserung deines Holzes behalten möchtest, ist Farbe ohnehin der falsche Weg. Dann lohnt es sich eher, alte Holzmöbel aufzufrischen, statt sie zu streichen.

Was du brauchst und wo du am besten streichst

Leg dir alles bereit, dann musst du nicht mit nassem Pinsel suchen:

  • Kreidefarbe und je nach Holz einen Sperrgrund auf Schellackbasis
  • einen weichen Flach- oder Rundpinsel für wasserbasierte Farben, eventuell eine kleine Schaumstoffrolle
  • Schleifschwamm oder Schleifpapier mit 180er bis 240er Körnung
  • Eimer, Spülmittel, Schwamm und fusselfreie Tücher
  • Malerkrepp, Abdeckfolie oder eine alte Decke
  • Schraubendreher und einen kleinen Beutel für Schrauben
  • Wachs oder wasserbasierten, matten Klarlack
  • Handschuhe und eine Feinstaubmaske (FFP2)

Streich an einem hellen, gut belüfteten Platz. Gerade an grauen Herbstwochenenden ist das Projekt ideal, allerdings besser drinnen als auf dem kalten Balkon oder in der ungeheizten Garage. Kälte und feuchte Luft verlängern die Trockenzeit deutlich, und viele Farben dürfen nur oberhalb einer Mindesttemperatur verarbeitet werden, die häufig zwischen etwa 5 und 10 Grad liegt. Die genaue Angabe steht auf der Dose.

So bereitest du das Möbel richtig vor

Die Vorbereitung entscheidet mehr über das Ergebnis als der Anstrich selbst. Farbe haftet nur so gut wie der Untergrund, auf dem sie liegt.

Griffe und Beschläge abnehmen

Schraub Griffe und Knäufe ab, nimm die Schubladen heraus und kleb Scharniere und Schlösser mit Malerkrepp ab. Die Schrauben kommen in einen Beutel, den du innen an den Korpus klebst. Ein Foto vorher hilft beim Zusammenbau. Planst du neue Griffe mit anderem Lochabstand, füllst du alte Löcher jetzt mit Holzkitt und schleifst ihn nach dem Trocknen bündig.

Reinigen und entfetten

Wasch das Möbel mit warmem Wasser und einem Schuss Spülmittel ab und wisch mit klarem Wasser nach. Auf Fett, Handschweiß oder alter Möbelpolitur perlt Farbe ab oder löst sich später. Besonders viel Schmutz sitzt rund um die Griffe und an den Kanten der Deckplatte. Wurde das Möbel früher gewachst, löst du das Wachs mit etwas Terpentinersatz auf einem Tuch. Das Mittel ist brennbar, lüfte also gut und halte offene Flammen fern. Danach lässt du alles vollständig trocknen.

Hände schleifen die glänzende Deckplatte einer alten Kommode mit einem Schleifschwamm an, die Griffe liegen in einem Glas
Glänzende Flächen brauchen nur einen leichten Anschliff, damit die Farbe sich gut verkrallen kann. Symbolbild: KI-generiert

Glänzende Flächen anschleifen

Matte, saubere Oberflächen kannst du oft direkt streichen. Glänzender Lack dagegen ist so glatt, dass die Farbe kaum Halt findet. Schleif ihn mit 180er bis 240er Körnung leicht an, bis er gleichmäßig stumpf aussieht. Du willst den Lack nicht entfernen, sondern nur aufrauen, damit sich die Farbe verkrallen kann. Bei Furnier arbeitest du besonders behutsam, denn die Holzschicht ist oft weniger als einen Millimeter dick. Den Schleifstaub nimmst du mit einem feuchten Tuch auf.

Der Probeanstrich, der dir Ärger erspart

Vor allem bei Eiche, Mahagoni, harzreichen Ästen in Kiefer oder alten Beizen kann etwas passieren, das viele überrascht: Durch die helle Farbe drücken gelbliche, rosa oder bräunliche Flecken. Der Grund sind Inhaltsstoffe wie Gerbstoffe, Harz oder Farbstoffe alter Beizen, die durch die wasserbasierte Farbe an die Oberfläche wandern. Streichst du einfach weiter, kommen sie oft durch jede neue Schicht wieder hervor.

Mach deshalb einen Test. Streich eine unauffällige Stelle, etwa unten an der Seitenwand, und lass sie vollständig trocknen. Bleibt die Farbe sauber, kannst du loslegen. Zeigen sich Flecken, trägst du auf das ganze Möbel einen Sperrgrund auf Schellackbasis auf, bei starken Verfärbungen zwei Schichten. Schellack schließt die Stoffe ein, sodass sie nicht mehr in die Farbe gelangen. Weil er in Alkohol gelöst ist, lüftest du beim Streichen gut und reinigst den Pinsel mit Spiritus statt mit Wasser.

Zwei dünne Schichten statt einer dicken

Jetzt kommt der schönste Teil. Rühr die Farbe gründlich auf, denn die Füllstoffe setzen sich am Boden ab. Streich den Korpus von oben nach unten und immer in Richtung der Holzmaserung. Die Schubladenfronten streichst du separat, am besten liegend.

Trag die Farbe dünn auf und streich nicht immer wieder über Stellen, die schon anziehen. Kreidefarbe trocknet schnell, und nachträgliches Hin- und Herstreichen hinterlässt Spuren. Die erste Schicht darf ruhig etwas durchscheinend aussehen. Dicke Schichten decken zwar sofort, trocknen aber ungleichmäßig, können reißen und bilden an Kanten Tropfnasen.

Ist die erste Schicht trocken, kannst du Unebenheiten mit sehr feinem Schleifpapier glätten und den Staub abwischen. Dann folgt die zweite Schicht. Seiten und Laufflächen der Schubladen lässt du frei, sonst klemmen sie später. Viele Grundregeln kennst du vielleicht schon vom Renovieren, etwa wie du eine Wand streichen kannst, ohne dass Streifen bleiben.

Für den Used-Look Kanten gezielt anschleifen

Der Used-Look ist Geschmackssache und völlig optional. Wenn du ihn magst, wartest du, bis die zweite Schicht gut durchgetrocknet ist, am besten über Nacht. Dann schleifst du mit 150er bis 180er Körnung sanft über die Stellen, die sich im Alltag natürlich abnutzen würden: Kanten, Ecken, die Bereiche rund um die Griffe und die unteren Ränder der Schubladen.

Arbeite behutsam und tritt zwischendurch zurück, um das Gesamtbild zu sehen. Zu viel ist schnell passiert, zu wenig lässt sich leicht nachholen. Staubärmer ist die feuchte Variante: Dabei reibst du die gerade angetrocknete Farbe an den Kanten mit einem feuchten Tuch ab. Streichst du vorher eine zweite Farbe als Grundton, blitzt diese an den abgeschliffenen Stellen hervor, zum Beispiel ein warmes Ocker unter Salbeigrün.

Denk an die Sicherheit: Schleif beim Used-Look nur durch deine neue Farbe, nicht durch alte Lackschichten, deren Zusammensetzung du nicht kennst.

Ecke einer salbeigrün gestrichenen Kommode mit leicht angeschliffenen Kanten und einem runden Messingknauf
Leicht angeschliffene Kanten und neue Knäufe lassen das Möbel wirken, als hätte es schon immer so ausgesehen. Symbolbild: KI-generiert

Wachs oder Klarlack: So schützt du die Oberfläche

Ohne Schutz saugt die matte Farbe jeden Kaffeering auf. Welche Versiegelung passt, hängt davon ab, wie stark das Möbel beansprucht wird:

Wachs Matter Klarlack auf Wasserbasis
Optik seidiger Schimmer, Farbe wirkt etwas tiefer bleibt matt, verändert den Ton kaum
Schutz leicht, gegen Staub und Griffspuren robust gegen Wasser, Flecken und Abrieb
Ideal für Korpus, Nachttisch, Regal, Deko-Möbel Kommodendeckel, Tischplatten, Flur, Kinderzimmer
Pflege gelegentlich dünn nachwachsen kaum Pflege nötig

Wachs trägst du hauchdünn mit einem fusselfreien Tuch oder Wachspinsel auf, lässt es kurz antrocknen und polierst es dann mit einem sauberen Tuch. Klarlack streichst du in zwei dünnen Schichten. Wasserbasierte Klarlacke vergilben in der Regel weniger als lösemittelhaltige, was vor allem bei Weiß und hellen Pastelltönen zählt. Du kannst auch kombinieren und die Deckplatte lackieren, den Rest wachsen. Enthält dein Wachs trocknende Öle wie Leinöl, breitest du benutzte Tücher danach flach im Freien zum Trocknen aus oder bewahrst sie in einem verschlossenen Glas mit Wasser auf. Zusammengeknüllt können sich ölgetränkte Lappen von selbst entzünden.

Trockenzeiten und neue Griffe

Kreidefarbe ist oft schon nach rund einer Stunde grifftrocken, überstreichen kannst du meist nach zwei bis vier Stunden. Belastbar ist die Oberfläche aber erst viel später: Wachs und Lack brauchen je nach Produkt einige Tage bis wenige Wochen, bis sie vollständig ausgehärtet sind. Benutzen darfst du die Kommode schon früher, stell in dieser Zeit aber keine schweren, heißen oder nassen Dinge ab. Die Angaben auf der Dose gehen immer vor.

Zum Schluss kommen die Griffe. Neue Knäufe oder Bügelgriffe verändern den Charakter eines Möbels fast so stark wie die Farbe selbst. Bei Bügelgriffen misst du vorher den Lochabstand. Haben die neuen Griffe denselben Abstand, brauchst du keine neuen Löcher. Verbreitet sind zum Beispiel 96 oder 128 Millimeter. Prüf außerdem, ob die mitgelieferten Schrauben zur Stärke deiner Schubladenfronten passen, sonst besorgst du passende Längen.

Auch in der Mietwohnung ist so ein Projekt ideal, weil du dafür keine Wand anfassen musst. Weitere Ideen findest du in unserem Beitrag darüber, wie du deine Mietwohnung ohne Bohren verschönern kannst.

Deine Checkliste fürs erste Kreidefarbe-Projekt

Such dir für den Anfang ein überschaubares Möbel, etwa einen Nachttisch oder eine kleine Kommode. Dann gehst du so vor:

  1. Alten Anstrich im Zweifel auf Blei prüfen lassen.
  2. Griffe abschrauben, Schubladen herausnehmen, Beschläge abkleben.
  3. Gründlich reinigen, entfetten und trocknen lassen.
  4. Glänzende Flächen leicht anschleifen und Staub feucht abwischen.
  5. Probeanstrich machen und bei Flecken mit Schellack sperren.
  6. Zwei dünne Schichten streichen, bei Bedarf Kanten anschleifen.
  7. Mit Wachs oder mattem Klarlack versiegeln und in Ruhe aushärten lassen.

Und wenn deine Kommode fertig ist, verdient sie einen schönen Auftritt. Wie du sie mit wenigen Stücken in Szene setzt, zeigt dir die Dreier-Regel fürs Dekorieren.

Häufige Fragen

Hält Kreidefarbe auch auf beschichteten Möbeln oder Laminat?

Auf glatten Kunststoffoberflächen haftet sie schlechter als auf Holz oder altem Lack. Schleif die Fläche leicht an und streich zuerst eine unauffällige Stelle. Lässt sich die Farbe nach dem Trocknen mit dem Fingernagel abkratzen, brauchst du einen Haftgrund für glatte Untergründe.

Kann ich Kreidefarbe mit der Rolle auftragen?

Ja, für große, glatte Flächen wie Deckplatte und Seitenwände eignet sich eine kleine Schaumstoff- oder Velourrolle gut. Die Oberfläche wird damit gleichmäßiger und fast ohne Pinselspuren. Kanten, Profile und Ecken streichst du weiterhin mit dem Pinsel.

Wie viel Kreidefarbe brauche ich für eine Kommode?

Meist weniger, als man denkt, weil nur die sichtbaren Flächen gestrichen werden. Rechne die Flächen grob aus, verdopple sie für zwei Schichten und vergleiche das Ergebnis mit der Ergiebigkeit auf der Dose. Streichst du hell auf sehr dunklem Holz, plane Farbe für eine dritte Schicht ein.

Kann ich Kreidefarbe selbst mischen?

Es gibt Rezepte, bei denen Wandfarbe mit Schlämmkreide oder Gips angedickt wird. Das Ergebnis wird matt, haftet aber oft nicht so zuverlässig wie fertige Kreidefarbe und kann klumpen. Probier eine selbst gemischte Farbe deshalb zuerst an einem unauffälligen Stück aus.

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Veröffentlicht am 30. September 2026. Wie wir arbeiten, erklären unsere redaktionellen Richtlinien. Du hast einen Fehler entdeckt? Sag uns Bescheid.